Freitag, 20. Februar 2004
Die Aussicht, in der Praxis neue Zähne zu "züchten", ist im Lichte der raschen Erfolge in Entwicklungsbiologie, Stammzellforschung und Genetik nicht mehr so weit entfernt, wie bisher geglaubt. Neuere Fortschritte im Verständnis molekularer Regulationen bei der Zahnentwicklung haben zur Identifikation von Signalmolekülen geführt, die diesen Prozess in verschiedenen Stadien steuern. Weitere wissenschaftliche Durchbrüche zeigen, dass adulte Stammzellen wohl viel „plastischer" sind, als bisher gedacht. Mit anderen Worten: sie können ihre Differenzierungsrichtung entsprechend von Umgebungsreizen ändern. Mesenchymale Stammzellen aus der erwachsenen Pulpa bildeten nach Verpflanzung in Muskelgewebe Dentin; sie könnten möglicherweise die Basis für eine biotechnologische Herstellung von Zähnen sein. Ein Nachteil menschlicher Zähne ist, dass sie nicht kontinuierlich wachsen, wie z.B. Mäusezähne, und deshalb kein Reservoir sich differenzierender Epithelzellen, aus denen neue Zähne gezüchtet werden könnten, bereitstellen. Weitere Stammzellenforschungen könnten jedoch ein neues Licht auf andere geeignete menschliche Zellen werfen, die an der Bildung von Zähnen beteiligt werden könnten. Diese Hoffnung wird auch durch die Entdeckung genährt, dass alle momentan bekannten Gene, die Stellung, Form und Anzahl der Zähne beeinflussen, auch in anderen menschlichen Geweben regulatorische Funktionen haben. Zwar gibt es noch viele Hürden zu nehmen, aber die Wissenschaftler sind selbst über die rasanten Fortschritte überrascht, die die Biotechnologie zurzeit macht. Vielleicht kann der Science-Fiction-Traum von nachgezüchteten und transplantierten Zähnen doch eines Tages noch Wirklichkeit werden. Quelle: Developmental biology and building a tooth. Thesleff, I.: Quint Int 34, 613-620(2003) |